Auch gut rein gekommen ins Jahr 2009? Ja?
Gut. Denn das ist auch zu hoffen bei 104 Millionen Euro nur fürs Silvester-Feuerwerk.
Soweit also alles in Ordnung? Prima.
Doch Silvester hat auch so seine merkwürdigen Schattenseiten, oder besser: Kehrseiten. Meint das Schlaublog.

Quelle: flickr.com (© Toni V)
Bereits ab dem 29.12. muss man ja jederzeit damit rechnen, einen Böller vor die Füße geworfen zu bekommen. Nunja. Dieses Phänomen scheint verwandt mit dem “wir warten aufs Christkind”; viele Menschen scheinen es einfach bis zum Jahreswechsel gar nicht aushalten zu können. Verkäufer berichten, dass manche Zeitgenossen bis zu 5-mal Böller nachkaufen müssen, bis es denn endlich tatsächlich Silvester ist.
Am 31.12. beginnt das Feuerwerk eigentlich schon um 18.45 Uhr.
Das ist die Zeit, wo relativ frischgebackene Eltern ihren 3-jährigen Kindern ein Feuerwerk zeigen müssen, meistens bestehend aus Wunderkerzen, kleinen Leuchtfeuern und - für Papa - ein paar kleine Knaller. Anschließend geht´s für die Kleinen dann ins Bett; warum Kinder das schon mit 3 Jahren lernen müssen, wie man Silvesterfeuerwerk abfackelt, bleibt schleierhaft, ist aber so.
Um 19.45 Uhr sind dann die 5-6-jährigen dran. Hier wird eventuell bereits ein mittelgroßer Knaller gezündet, wenn Mutti es erlaubt.
Um 20.45 Uhr sind dann die 7-10-jährigen an der Reihe; hier gibt es dann auch schon Raketen zu bestaunen, Lichtfontänen, und die Kleinen dürfen auch schon einmal selbst eine Wunderkerze schwenken oder einen Knaller anzünden. Die Tüten der Väter sind übrigens schon auffällig voluminöser, die Kracherei dauert auch schon bis zu einer Stunde.
Um 21.45 sind dann die 11-12-jährigen draußen zu sehen; sie dürfen sich auch schon mal ohne Mamas Obhut von der Tüte mit Knallern weg bewegen und sind in der Bedienung von Feuerzeugen schon recht geübt. So mancher Stolz blitzt in den Augen der Väter, wenn sie beobachten können, dass ihr kleiner Spross schon bald ein genauso großartiger Feuerwerker werden wird, wie sie.
Die 13-15-jährigen haben es schwer; sie dürfen noch nicht alleine auf Partys gehen, aber bei den Fondue-, Raclette- und Gesellschaftsspiel-Partys der Eltern fangen sie spätestens jetzt um 22.30 Uhr an, sich zu langweilen.
Also raus auf die Straße. Dass sich die jungen Menschen dann vom Sitzen im Wohnzimmer mit den Eltern abreagieren müssen, fällt deutlich auf; da werden dann auch schon mal Böller in den Briefkasten geworfen oder in den Auspuff des Mercedes gesteckt; Leuchtkugeln haben - horizontal abgeschossen - irgendwie viel mehr Reiz, vielleicht kann man ja das angekettete Fahrrad in die Luft sprengen.
Übrigens führt dieses “Partyflucht-Phänomen” auch dazu, dass in einer ansonsten sehr ruhigen Gegend plötzlich um 22.45 Uhr alles voll mit durchgedrehten Jugendlichen ist, die nun endlich einmal die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mit Egoshootern und Kriegssimulationen in der Praxis auszuprobieren.

Quelle: flickr.com (© Scoobay)
Um 23.24 Uhr machen sich dann alle zwischen 16-57 Jahren auf den Weg, die sich das Feuerwerk nicht vom Balkon aus anschauen möchten. Hier ist insbesondere die Altersgruppe der 17-25-jährigen zu nennen, die auf dem Weg permanent kleine Böller anzünden und diese wegwerfen, ohne hinterherzusehen. Der Reiz liegt anscheinend nicht im Knallen, sondern im Anzünden und Wegwerfen.
Um 23.57 Uhr geht es dann richtig los; das kann eigentlich nur mit den vielen Billiguhren aus Fernost erklärt werden, denn Mitternacht ist es dann ja noch nicht. Aber was sind schon drei Minuten.
Um 0.00 Uhr wird es laut; im Zehntel-Sekundentakt explodieren Böller um einen herum. Der Himmel wird zwar schon heller, aber so richtig leuchtet er noch nicht. Kein Wunder, schließlich werden alle jetzt bereits sichtbaren Raketen ausschließlich von Singles und von solchen, die eigentlich gerne wieder Single wären, gestartet. Ansonsten hält man sich noch 3 Minuten lang mit Sekt trinken, Küssen und Flaschen leer machen auf, denn die werden ja dann für den Start der Raketen gebraucht.
Um 0.09 Uhr schließlich ist der Himmel vollends hell erleuchtet, es knallt etwas weniger.
Der ansehnliche Höhepunkt des Raketengeschwaders wird übrigens erst um 0.15 Uhr erreicht, denn die besten Raketen und Batterien bewahrt man sich ja bis zum Schluss auf.
Zu diesem Zeitpunkt muss man auf der Straße auch bereits aufpassen, nicht von einem der vielen besetzten Taxis überfahren zu werden, die mit 140 durch die Straßen rasen; natürlich fragt man sich, wieso um diese Uhrzeit so viele Leute Taxi fahren. Aber was solls.
Zwischen 0.25 Uhr und 1.20 Uhr schlägt dann die Stunde derer, die die Tüten randvoll mit Knallern und Böllern haben; es kracht und explodiert an jeder Ecke; schließlich will man die teuer erworbenen Knallkörper ja nun auch loswerden. Dass sich alle bösen Geister, die man ja eigentlich damit verjagen wollte, längst schlafen gelegt haben, interessiert kaum noch jemanden.
Um 2.24 Uhr ziehen dann Jugendbanden im Alter zwischen 16-19 Jahren durch die Straßen; als Heimkehrer von Partys und Diskotheken schlendern sie in kleinen Grüppchen durch die Straße und wissen eigentlich nicht so recht etwas miteinander anzufangen, außer sich gegenseitig Knaller vor die Füße zu schmeißen. Es wird eigentlich mehr aus gespielter Hysterie geschrien; aber was soll man sonst mit dieser Nacht noch anfangen.
Um 8.44 Uhr sind bereits die ersten Frühaufsteher, also meistens Kinder und junge Jugendliche auf den Straßen unterwegs, um die Blindgänger einzusammeln. Vielleicht kann man die 1,5 Millimeter-Zündschnur ja doch noch anzünden. Zeitgleich machen sich auch zahllose Rentner auf den Weg, bewaffnet mit Besen und Kehrblech.

Quelle: flickr.com (© Charlotte Nordahl)
Schaut man morgens verkatert aus dem Fenster, erinnert einen das Szenario eher an einen Kriegsschauplatz, als an einen schönen sonnigen Neujahrsmorgen. Und es wird auch klar: all die Mülltrennung, der gelbe Sack, die gewaltfreie Erziehung, die Sensibilisierung für Umweltschutz… Das nutzt an Silvester alles nichts.
Und nächstes Jahr wollen wir alle nicht mehr so viel ausgeben, nicht so viel knallen, nicht so viel essen…
In diesem Sinne:
frohes neues Jahr, und: alles bleibt, wie es immer war.
[...] PS: Silvester-Tatsachen gibt´s hier. [...]
Das Kopfschüttel-Blog » Blog Archive » Dass Männer immer knallen müssen…
1. Januar 2009
[...] Hast du dafür vielleicht eine Portion Schmunzeln für mich? Jap, schau hier. [...]
Sylvester Nachwehen | Mei Leif
1. Januar 2009
Wünsche dir auch ein frohes neues Jahr! Netter Beitrag
dimido
2. Januar 2009
Witziger Beitrag - ob so schlau, weiß ich nicht - aber der Feed ist abonniert! Frohes Neues!
Knaller
3. Januar 2009
… eine ähnliche Zeittafel hab ich in diesem Jahr auch aufgestellt … als es mehrere “Feuerpausen” gab
alles Gute für 2009!
feechen
3. Januar 2009
Trifft genau zu!
Nico
4. Januar 2009
es fehlen eigentlich nur diejenigen welche durch trunkenheitsfolgen vor 24 uhr einschlafen und um 1.36 wach werden und dann ihr munitoinsvorrat um 1.38 abfeuern
TheRudi
9. Januar 2009
Hab’s grad’ erst entdeckt.
Stimmige Zusammenfassung.
Habe geschmunzelt.
GruZ
Mac
Mac
20. Januar 2009
Finde die Zusammenfassung auch gut, selbst wenn Silverster schon wieder ziemlich lange durch ist. Man kann es ja als Vorbereitung für dieses Jahr sehen.
MfG
Oli
18. Mai 2009